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AEV-Nachwuchs

Im Gespräch mit Thomas Holzamnn

03.04.26 - 10:00 Uhr

Bei einem Sponsorenabend vor einigen Tagen zählte auch Thomas Holzmann zu den Talk-Gästen. Zwischen 2015 und 2021 trug Holzmann das Trikot der Augsburger Panther. Insgesamt bestritt er 555 Spiele in der Deutschen Eishockey Liga. In der vergangenen Saison trainierte Holzmann die U17 des Augsburger EV und gibt sein Wissen an junge Talente weiter.

Aktuell laufen die Playoffs in der PENNY DEL. Wie schön ist es, sich auch nach seinem Karriereende noch an eigene Playoff-Zeiten zu erinnern? Wir denken da beispielsweise an den Overtime-Winner in Spiel 5 des Viertelfinales gegen die DEG im Curt-Frenzel-Stadion.

Das war eine tolle Zeit, hat großen Spaß gemacht. Die Playoffs 2019 waren für uns alle sehr speziell. Und so ein Tor zu schießen, das ist schon ein Wahnsinnsgefühl und macht einen stolz. Es war aber einfach eine coole Saison in einem starken Team. Auch mit etwas Abstand erinnert man sich gerne daran zurück.

Deine Zeit als Eishockeyprofi ist seit 2022 Geschichte, heute gibst du deine Erfahrungen und dein Wissen an junge Eishockeyspieler weiter. Wie sehr zehrt man da trotzdem noch von solchen Erinnerungen?

Ehrlich gesagt vermisse ich solche Momente auf persönlicher Ebene weniger, als ich das als Aktiver noch gedacht hätte. Heute freue ich mich über die Tore oder Erfolgserlebnisse meiner Spieler teilweise mehr, als ich mich früher selbst über meine eigenen Treffer gefreut habe. Die Perspektive hat sich einfach komplett gedreht.

Vier Jahre ist jetzt her, dass du der großen Eishockeybühne den Rücken gekehrt hast. Was ist in dieser Zeit alles passiert?

Ich musste leider verletzungsbedingt aufhören und hatte dann das große Glück, dass mir der AEV die Chance gegeben hat, direkt im Nachwuchs mitzuhelfen. Natürlich habe ich erstmal die erforderlichen Trainerscheine gemacht und dann direkt die U11 übernommen. Da habe ich sehr, sehr viel von den Kindern lernen können und habe die Zeit wirklich genossen. Mit dem Endjahrgang bin ich dann weitergegangen in die U13 und habe weiter selbst viel gelernt, aber auch eigene Erfahrungen weitergeben können. Dann kam das Angebot vom Verein, dass ich die U17 übernehmen kann. Das ging mir dann ehrlicherweise fast schon ein bisschen zu schnell, aber ich habe die Herausforderung gerne angenommen. Und das war absolut die richtige Entscheidung. Eine super Altersklasse, da passiert sehr, sehr viel und täglich mit den Jungs zu arbeiten, macht wahnsinnig viel Spaß.

Und abseits des Eises?

Ich hatte das Glück, parallel noch eine Umschulung zum Industriekaufmann im Brauhaus Riegele machen zu können. Mittlerweile habe ich das erfolgreich abgeschlossen. Auch das war eine sehr lehrreiche Zeit in einem tollen Team und ein wertvoller Blick in die Arbeitswelt abseits des Leistungssports. Ich habe bei Riegele verschiedene Abteilungen durchlaufen und wirklich viel lernen können. Genau das war mein Ziel zu Beginn der Umschulung. Der Zeitaufwand mit Umschulung und dem Start der Trainerkarriere war natürlich brutal. Vor allen Trainerinnen und Trainern, die ihre Tätigkeit in Vereinen parallel zu einem Vollzeitjob ausüben, ziehe ich meinen Hut. Das nötigt mir wirklich allergrößten Respekt ab. Speziell meine Achtung vor dem Ehrenamt ist in den letzten Jahren extrem gewachsen. Das ist schon stark, was viele hier abseits ihrer normalen 40-Stunden-Wochen leisten.

Zurück aufs Eis. Eishockey ist für einen ehemaligen Profi eine Selbstverständlichkeit, die Automatismen haben gegriffen. Wie gelingt einem da der Übertrag zum Coaching von Kindern?

Genau das muss man lernen. Wie weit sind die Kids, welchen Input brauchen sie? Das ist einerseits schwierig, andererseits haben mir die Jungs und Mädels den Einstieg auch leicht gemacht. Sie haben zugehört und brennen ja genauso wie ich für Eishockey. Und wenn du spürst, dass die Gegenseite lernen will, dann macht dir das als Trainer ja auch sofort wieder viel mehr Spaß. Wenn du dann auch die rasante Weiterentwicklung und Leistungssprünge siehst, dann macht das noch mehr Freude.

Und welche Altersstufe bereitet dir die größte Freude?

Das lässt sich pauschal nicht sagen. Jedes Alter bringt andere Herausforderungen und Besonderheiten mit sich. Je älter die Spieler sind, desto professioneller und intensiver wird natürlich alles. Zu einem Ex-Profi wie mir passen dann die älteren Mannschaften vielleicht besser. Trotzdem: Jede Altersklasse hat ihren Reiz und die Arbeit macht Spaß.

Der AEV-Nachwuchs wurde zuletzt erneut mit fünf Sternen eingestuft. Kannst du zu diesen Sternezertifizierungen mehr sagen und die Bedeutung für den Standort Augsburg beschreiben?

Im Sterneprogramm wird die Nachwuchsarbeit der Vereine eingestuft. Da geht es zum Beispiel um Eiszeiten, hauptamtliche Trainerinnen und Trainer oder Recruiting. Alle Standorte werden bewertet und erhalten dann dementsprechende Summen als Ausbildungsentschädigungen. Es ist also quasi eine Art Anerkennung dessen, was die vielen Personen innerhalb eines Vereins leisten. Diese fünf Sterne sind jedes Jahr harte Arbeit. Wir haben sicher auch noch Raum für Verbesserungen. Eine eingehauste zweite Eisfläche würde uns in jedem Fall sehr beim Erreichen unserer Ziele helfen. Auch eine engere Verbindung von Schule und Sport ist wichtig, da hinken wir Standorten in anderen Bundesländern etwas hinterher. Es gibt also schon noch Bereiche, in denen wir die Bedingungen verbessern können. Unser Ziel muss es sein, dass irgendwann niemand mehr aus rein sportlichen Gründen den AEV-Nachwuchs verlässt. Und ich glaube, da sind wir auf einem guten Weg.

Wie geht es für dich persönlich weiter?

Ich bleibe dem AEV auf jeden Fall erhalten und werde weiter die U17 betreuen, dazu kommen noch ein paar übergeordnete Aufgaben im sportlichen Bereich. All das in Vollzeit als hauptamtlicher Nachwuchstrainer. Ich möchte im Verein mehr Verantwortung übernehmen und mich einbringen. Und es bleibt mein Hauptziel, dass wir Talente entwickeln, gut betreuen, dass jeder sein Potenzial ausschöpfen kann und dass am Ende alle davon profitieren. In einer perfekten Welt landet der ein oder andere dann als Profi bei den Panthern. Klar ist das ein ambitioniertes Ziel, aber wenn viele Rädchen ineinandergreifen und eine Portion Glück dazukommt, dann ist das durchaus möglich und es gibt ja auch einige Beispiele für diese Durchlässigkeit.

Und das Ziel für dich persönlich? Siehst du dich irgendwann bei den Profis hinter der Bande?

Also ich konnte mir vor zwei Jahren nicht vorstellen, die U17 zu trainieren. Ich gehe da wirklich Schritt für Schritt. Jede Herausforderung, die kam, habe ich demütig angenommen und im Nachhinein war ich richtig froh um alles, um jeden Schritt, der nach oben ging. Ich bin nicht Trainer geworden, um irgendwann Profitrainer zu sein. Das war nie mein Ziel. Ich wollte meine Erfahrungen weitergeben an Nachwuchs und Spieler entwickeln. Deshalb bin ich Trainer geworden. Aber der persönliche Ehrgeiz ist da und wer weiß schon, wo die Reise irgendwann hingeht. Aber heute ist der Nachwuchs mein Zuhause und da fühle ich mich sehr, sehr wohl.