Foto: Sport in Augsburg
Alexander Blank überzeugt diese Saison mit seinen guten Leistungen und ist aktuell sogar Topscorer der Panther. Bereits am 02. Dezember des vergangenen Jahres konnten die Augsburger Panther die erste Personalie für die kommende Spielzeit verkünden: Alex Blank bleibt ein Panther. Ein guter Anlass für Sport in Augsburg, die Karriere des 23-jährigen Angreifers genauer zu beleuchten.
Sport in Augsburg: Du bist gebürtiger Berliner - wie kamst du zum Eishockey?
Alex Blank: Mein Papa war jahrelang Eishockeyprofi in der DEL und solange ich denken kann, bin ich immer mit dem Schläger rumgelaufen. Ich glaube ich habe mit drei, dreieinhalb Jahren schon angefangen Eishockey zu spielen. Durch meinen Papa kam das einfach und dann war ich immer mit ihm auf dem Eis, so hat es eigentlich angefangen.
2002 geboren - 2015 hast du bereits 4 Spiele für die U16 in Krefeld machen dürfen. Wie kam es dazu, dass du so jung die Möglichkeit hattest, in der U16 mitzuspielen?
Eigentlich war es schon immer in der Jugend in Krefeld so, dass zwei, drei Leute von unserem Jahrgang schon mit den Zweitausendern mitgespielt haben. Und bei den Knaben war es dann auch schon so, dass wir gar nicht erst mal mit unserem Jahrgang gespielt haben, sondern direkt mit den älteren Spielern, damit wir uns besser entwickeln. Und so kam es dann dazu, dass ich dann in diesem Jahr schon bei der U16 das Endturnier mitspielen durfte.
Anschließend ging es in die RB Hockey Academy in Salzburg. Kannst du uns einen Einblick geben, was man sich darunter vorstellen muss?
Genau, ich bin mit 14 Jahren hingegangen und war für zwei Jahre dort. Im Internat der Akademie hat jeder ein Zimmer, welches er sich mit einem Zimmerkollegen teilt, der meistens in deiner Mannschaft spielt. Du gehst auch ganz normal morgens zur Schule und hast dann quasi den Rest des Tages Training. Du wirst sportlich und auch schulisch gefördert. Es wurde sehr auf die Schule geachtet – wenn du schlecht standest musstest du beispielsweise statt dem Frühtraining Hausaufgaben machen oder mit dem Nachhilfelehrer arbeiten.
Wie stark war der Konkurrenzkampf?
Zu der Zeit damals war er schon sehr hoch. Ich glaube wir hatten damals 13, 14 Deutsche sogar auch in der Mannschaft und. Da hat zum Beispiel JJ Peterka, Maksymilian Szuber oder Julian Lutz gespielt, die jetzt auch alle drüben in Nordamerika sind.
Wer waren damals deine Zimmerpartner?
Im ersten Jahr hatte ich einige, muss ich sagen, weil ich erst spät gekommen bin und dann wurde ich quasi einfach irgendwo zugeteilt. Da war ich erst mit Tobias Ančička für zwei Monate und dann war ich noch mit einem Tommy Pasanen und Nikita Quapp zusammen. Und in meinem zweiten Jahr war ich das Ganze Jahr bei Maksymilian Szuber, weil ich sehr gut mit dem befreundet bin und dann haben wir uns zusammengetan.
2018-2020 dann Iserlohn, wo du auch dein DEL-Debüt feiern durftest. Wie war der Moment für dich?
Ich habe in Iserlohn ja eigentlich noch in der zweiten Nachwuchsliga gespielt. Und deswegen ist es eigentlich sehr unüblich, dass man von dort aus in die Penny-DEL hochkommt. Aber ich durfte zunächst zwei, drei Mal mittrainieren und irgendwie gab es diese Gelegenheit dann immer öfter. Nach der Februarpause kam der Trainer zu mir und meinte, dass sie mich spielen lassen wollen. Lustigerweise ist damals Alexandre Grenier von Iserlohn in die Schweiz gewechselt, wodurch für den Rest der Saison ein Stürmerplatz frei geworden ist. Und da es damals noch keinen Abstieg gab und Iserlohn sicher auf dem 13. Platz war haben sie gesagt: Du spielst jetzt die letzten neun Spiele mit.
Wenn man das so sieht, wirkt das alles sehr erfolgreich - gab es Momente in deiner Karriere, in denen du auch gezweifelt hast?
Ich hatte schon immer ein Ziel vor Augen, dass ich Profi werden will. Aber als ich dann damals in der DNL2 gespielt habe, dachte ich mir so: „Puh, DEL wird vielleicht doch schwierig. Vielleicht ist es doch eher Oberliga." Aber ich habe nie dran gezweifelt, dass ich Eishockey spielen kann. Nur hatte ich Sorge, ob ich jemals die Chance kriegen würde, mich zu beweisen. Zum Glück habe ich die dann bekommen und von diesem Moment auch eigentlich nicht mehr zurückgeblickt, sondern hatte das Ziel vor Augen, dass ich auf jeden Fall DEL spielen will.
2020-2022 warst du dann bei Krefeld, bevor du 2022-25 bei Düsseldorf warst - drei Vereine aus NRW. Hatte es einen Grund, dass du aus der Gegend nicht weg wolltest oder war das eher Zufall?
Seitdem ich drei bin, wohne ich in Krefeld und das ist einfach meine Heimat, mein Zuhause. Ich bin ein Familienmensch und wollte eigentlich immer relativ nah an der Familie bleiben und damals, als wir dann mit Krefeld abgestiegen sind, kam für mich die Option, dass ich nach Düsseldorf gehen konnte und dann dachte ich mir: das mache ich. Das ist nicht weit weg von zu Hause und auch wenn es der Rivale ist und alles drum und dran - für mich war das persönlich die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können.
Bei welchem Verein hat es dir bis dahin am besten gefallen und warum?
Wenn ich jetzt das eine sage, dann sind die anderen sauer. Ich muss sagen, dass die letzten drei Jahre in Düsseldorf mir sehr ans Herz gewachsen sind. Da hatten wir immer eine super Truppe. Wir hatten junge Spieler, wie Jakub Borzecki zum Beispiel. Wir sind beide mit 19 Jahren nach Düsseldorf gekommen, sind dann die letzten drei Jahre zusammen dort quasi aufgewachsen und haben immer zusammengespielt und viel Zeit miteinander verbracht. Oder auch unsere Physios, mit denen habe ich auch immer noch Kontakt. Es war einfach sehr familiär und ich glaube auch dadurch, dass es noch so nah zu Hause dran war, war es einfach für mich eine schöne Zeit. Im ersten Jahr waren wir auch erfolgreich und ich glaub, dass ich mich dort am besten auch für meine Karriere weiterentwickelt habe.
Du hast die Rivalität bereits angesprochen – hat das bei der Entscheidung eine Rolle für dich gespielt?
Naja, im Endeffekt muss ich ja darüber nachdenken, was für meine Karriere am besten ist und nicht was die Fans über mich denken. Klar habe ich dann die nächsten zwei Jahre was einstecken müssen von den Krefelder Fans, weil mein Papa da auch sehr lange gespielt hat. Krefeld ist ja nicht die größte Stadt und wenn ich dort unterwegs war trifft man oft Leute, die auch zum Eishockey gehen und dann habe ich schon manchmal ein paar Sprüche bekommen, aber das hat es dann auch irgendwann mal gelegt.
Gibt es ein Spiel oder Tor, an das du dich besonders erinnerst?
Ich würde sagen mein Doppelpack gegen Tschechien bei der U20-WM. Eins der Tore war auch der Overtime Winner und noch dazu ein ganz schönes Tor. Daran erinnere ich mich immer gerne. Weil es einfach in dem Moment, eine coole Situation war. Leider wurde die WM dann wegen Corona abgebrochen.
2022 ging es für dich dann in Düsseldorf weiter. Wie schätzt du Düsseldorf als Standort für junge Spieler ein?
Wenn man sich das anschaut, hat Düsseldorf die letzten Jahre einige Spieler, die jetzt zwischen 20 und 25 sind, entwickelt, die dann zu Top-Vereinen gewechselt sind. Sie schenken dir einfach das Vertrauen, lassen dich spielen und das ist am Ende die beste Entwicklung, die du habe kannst.
Für mich war es in den ersten eineinhalb Jahren nicht so einfach. Ich habe noch nicht so viel gespielt, aber ab dem Moment, an dem ich das Vertrauen hatte, habe ich sehr viel Eiszeit und auch das Vertrauen bekommen. Das ist einfach am wichtigsten.
Die letzte Saison in Düsseldorf war persönlich recht erfolgreich, du warst unter anderem drittbester Scorer. Für das Team lief es allerdings nicht so gut. Kannst du kurz die Saison zusammenfassen?
Ich würde behaupten, dass es viel Pech war und oft auch sehr unglücklich. Wenn man mal überlegt: Wir haben viermal in den letzten zehn Sekunden Ausgleichstreffer oder den Führungstreffer kassiert, wo du dann einfach zwei, drei Punkte liegen lässt. Im Nachhinein denkst du dir dann: „Ja, hättest du mal vielleicht doch zwei Sekunden vor Schluss die Scheibe weggeschossen oder den einen Schuss geblockt." Es war schon sehr bitter, weil wir echt eine sehr coole Mannschaft hatten, bei der es gar keine Probleme in der Kabine gab. Auch wenn wir verloren haben, waren alle trotzdem immer positiv gestimmt. Wir hatten auch echt gute Eishockeyspieler. Wenn ich mir jetzt den Kader anschaue, denke ich mir schon, wie das überhaupt passieren konnte.
Wie muss man sich die Stimmung und die tägliche Arbeit im Team vorstellen, wenn man am Abgrund steht?
Ich glaube das hat wirklich nur geklappt, weil wir uns privat so gut verstanden haben. Es gab keine Grüppchenbildung, wir haben alle miteinander etwas unternommen, es hat einfach gut funktioniert.
Die Saison endete mit dem Abstieg - wie war das für dich?
Leider habe ich das ha schon mal erlebt gehabt, aber ich muss sagen, das war schon sehr hart für mich. Ich glaube, dass ich es die ersten drei, vier Wochen gar nicht realisiert hab und einfach nur gehofft habe, dass Ravensburg das noch irgendwie gewinnt und Düsseldorf in der Liga bleiben darf. Ich glaub bis zum Zeitpunkt, wo ich dann in Augsburg gelandet bin, war es schon eine sehr harte Zeit für mich.
Was nimmt man aus einem Abstieg für sich selbst mit?
Besser spielen (lacht). Ich glaube, man muss einfach mental sehr stark sein in solchen Situationen, weil es für den Kopf schon sehr anstrengend ist, dass man das immer im Hinterkopf hat, dass man da abgestiegen ist.
Gab es für dich auch die Überlegung, mit in die DEL 2 zu gehen?
Für den Verein und die Stadt hätte ich es echt gerne gemacht. Weil ich es einfach so schön fand und mir es auch sehr viel Spaß gemacht hat, da zu spielen. Aber ich muss an meine Karriere denken und das wäre auf jeden Fall ein ganz großer Schritt zurück gewesen. Vor allem habe ich Ziele, die ich erreichen will, zum Beispiel für die Nationalmannschaft spielen. Deswegen war für mich eigentlich keine Option. Wenn ich ein schlechtes Jahr gespielt hätte, wäre die Situation vielleicht anders gewesen.
Unter den U23-Spielern bist du einer der offensivstärksten und punktbesten gewesen - vermutlich gab es Angebote von vielen Vereinen. Warum hast du dich für Augsburg entschieden?
Ich bin noch ein junger Spieler und denke, dass man erst einmal auf seine Entwicklung schauen sollte, anstatt auf die großen Geldbeträge oder danach, wo ich vielleicht am häufigsten Deutscher Meister werde. Ich will mir erst einmal selber einen Namen mache und mir einen festen Stand in der Liga erarbeiten. Dann hat Larry mich angerufen, mir gesagt, was er in mir sieht und welche Rolle ich hier haben soll. Dazu kam, dass ich es immer cool fand, in Augsburg zu spielen. Die Stimmung ist super, die Fans reißen jedes Wochenende die Hütte ab. Und ja, dann habe ich auch nicht lange überlegt.
Hast du die Stadt schon etwas kennengelernt?
Auf jeden Fall. Die Innenstadt ist superschön, ich finde es cool, dass man sich einfach draußen hinsetzen und überall etwas Essen und Trinken kann. dann das Essen was trinken kann. Ich glaube, das ist eine schöne Kultur hier. Jetzt im Winter ist es natürlich nicht so toll, aber ich freue mich schon wieder auf die wärmeren Tage.
Welche Rolle nimmst du im Team ein? Sowohl auf dem Eis, als auch in der Kabine?
Labertasche (lacht). Ich rede schon viel und gerne. Auf dem Eis ist es wohl, dass ich einfach gerne offensiv spiele. Dass die Defensive auch eine Baustelle bei mir ist, weiß ich leider auch. Aber mit meiner offensiven Stärke versuche ich so gut wie möglich meine Teamspieler einzubinden oder den Pass zu spielen, der dann zum Tor führt. Und ab und zu mal selbst das Tor treffen ist auch ganz gut.
Mit wem harmonierst du auf und neben dem Eis am meisten?
Auf jeden Fall mit Enrico Henriquez. Wir machen sehr viel miteinander und sind auch Zimmerpartner. Wir sind ja auch ungefähr im gleichen Alter, das passt wirklich gut. Wenn wir etwas unternehmen ist Tim Wohlgemuth auch oft dabei. Allgemein die jungen deutschen Spieler, auch Christian Hanke oder Leon van der Linde zum Beispiel. Aber das ist auch keine feste Gruppe, man geht mal mit den einen, mal mit den anderen zum Essen. Wir verstehen uns alle ziemlich gut.
Von welcher deiner Fähigkeiten können deine Mitspieler am meisten profitieren?
Ich denke, dass ich das Spiel sehr gut lesen kann und vorrausschauend Spiele. Ich habe ein gutes Gefühl dafür, wo die Scheibe hingehen könnte. Und gerade in der Offensive würde ich meine Pässe herausheben.
Wie sehen deine persönlichen Ziele für die Saison aus?
Weiter punkten, weiter gut spielen. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mir die Punkte nicht wichtig sind. Aber sie sind auch nicht alles. Für mich ist es wichtig, dass ich mich gut verkaufe und dass ich gut spiele. Selbst wenn wir verlieren möchte ich, dass die Leute sagen können: „Ey, der Blank hat heute gekämpft und auf dem Eis alles gegeben". Das ist mir dann manchmal wichtiger, als Punkte zu machen.
Du bist auch nächstes Jahr ein Augsburger Panther. Einfach gefragt: Warum?
Ich bin noch jung und ich will mich spielerisch weiterentwickeln und ich glaube, ich bin noch nicht am Ende. Wenn ich hier viel spiele und die Rolle spiele, die ich gerade habe, kann ich davon profitieren und die nächsten Schritte machen. Ich glaube, das passt gerade einfach alles zusammen. Ich fühl mich hier wohl, also warum nicht? Bei anderen Vereinen hast du vielleicht einen höheren Konkurrenzkampf, weil sie viele gestandene Spieler in den Reihen haben. Dann bekommst du weniger Eiszeit und das bringt dich nicht voran. Ich will selbst der gestandene Spieler sein und nicht zu einem Team kommen, bei dem ich erst einmal schauen muss, ob ich überhaupt spielen darf.
Tim Wohlgemuth hat uns verraten, dass er Stadt-Land-Fluss-Ultra ist. Was würde die Fans überraschen, wenn sie es über dich lesen würden?
Wir haben tatsächlich einmal gespielt und er hat ganz knapp gewonnen. Er war schon sehr gut, muss ich sagen, aber auch nicht meilenweit von uns entfernt. Also noch glaube ich nicht, dass er darin wirklich so gut ist (lacht). Überraschende Talente habe ich eigentlich keine. In meiner Freizeit angle ich gerne, aber das habe ich schon oft erzählt. Allerdings bin ich ein ziemlich guter Kartenspieler! Im Bus spielen wir verschiedene Spiele, um uns die Zeit zu vertreiben und ich glaube, da gehöre ich schon zu denen, die häufiger gewinnen. Da bin ich tatsächlich ganz gut drin.